Fachkräfteaustausch zwischen Evin e.V. und dem Arab Jewish Community Center

0Der Fachkräfteaustausch zwischen Evin e.V. und der Partnerorganisation Arab Jewish Community Center (AJCC) in Jaffa/Israel fand zwischen Mai und Oktober 2014 statt. Das Projekt umfasste zwei je einwöchige Aufenthalte in Jaffa bzw. Berlin, die von thematischen Workshops zu Themen wie Diversität, Identiät, Zugehörigkeit, Diskriminierung, Antisemitismus bzw. Islamophobie begleitet wurden.

1Im Mai 2014 besuchte zunächst eine Delegation von 10 israelischen Teilnehmenden in Berlin. Im Oktober 2014 fand ein Gegenbesuch von 10 Evin e.V. Mitarbeitenden in TelAviv und Akko statt.

Das Arab Jewish Community Center in Jaffa ist ein öffentlicher Träger der sozialen Dienste der Stadt TelAviv, die mit Menschen unterschiedlicher religiöser Zugehörigkeit, (Juden, Christen, Muslimen) arbeitet. Mit sozialen Angeboten, die von Gemeinwesenarbeit über sportliche und kulturelle Angebote reichen, bearbeiten sie Themen wie Toleranz, Versöhnung und tragen damit zur Normalisierung der Interaktion zwischen unterschiedlichen Glaubensgemeinschaften bei.

Die Teilnehmenden aus Israel waren Mitarbeitende des AJCC und leitende Angestellte stattlicher sozialer Dienste und Behörden. Die Gruppe bestand zur Hälfte aus arabischen Israelis und zur Hälfte aus jüdischen Israelis, so dass bei biographisch angelegten Workshops beide Narrative, die israelische und die arabische, zur Sprache kamen.

Das Fachkräfteaustauschprojekt zwischen Evin e.V. und AJCC diente einerseits einem fachlichen Austausch und Kennenlernen von Rahmenbedingungen und Praxisfeldern sozialer Arbeit in Israel und Deutschland. Andererseits setzte sich das Projekt mit Hintergründen des Nahostkonflikts (NOK) sowie Antisemitismus und Islamophobie in ihren unterschiedlichen Erscheinungsformen in beiden Ländern auseinander. Dabei war der Blick auf Auswirkungen des israelisch-palästinensichen Konflikts auf das Alltagsleben der betroffenen Menschen sowie dessen Auswirkungen auf die soziale Arbeit gerichtet.

Eine Besonderheit dieses Projektes ist das Sichtbarmachen von Minderheitenperspektiven auf die Einwanderungsgesellschaft in beiden Ländern. Die Beteiligung von in Israel lebenden Arabern und in Deutschland lebenden Migrant_innen an diesem Projekt ermöglichte eine kritische Minderheitenperspektive diskriminierende Strukturen in beiden Gesellschaften, die immer wieder Gegenstand der Diskussionen war. Die am Austausch beteiligten Organisationen Evin e.V. und AJCC verkörpern in besonderer Weise die Vielfalt von Einwanderungsgesellschaften wie sie Israel und Deutschland sind. Sicherlich sind die historischen und gegenwärtigen Bedingungen beider Länder im Umgang mit ethnisch-religiösen Minderheiten bzw. Migrant_innen sehr unterschiedlich. Was jedoch die beiden Organisationen Evin e.V. und AJCC verbindet und ihnen gemeinsam ist, sind neben der Arbeit mit Klienten, Familien und Jugendlichen, die aus dem arabischen Sprachraum kommen und vom Nahostkonflikt betroffen sind auch ihre gemischten Teams, die sich aus Mitgliedern der Mehrheitsgesellschaft und Angehörigen von Minderheiten zusammensetzen. Gleichzeitig sind auch die Leitungsebenen und Mitarbeitenden beider Organisationen multikulturell, mehrspsrachig, multiprofessionell und multiethnisch zusammengesetzt. Beispielsweise verfügen viele Mitarbeitende von Evin e.V. über vielfältige sprachliche und kulturelle Hintergründe und haben selbst biographische Bezüge zum Nahostkonflikt. Die am Projekt Beteiligten sind also sowohl durch ihre Herkunft als auch durch die pädagogische Arbeit mit Themen wie Migration, Flucht und Vertreibung konfrontiert und müssen sich mit Fragen von Diversität, Integration und Zugehörigkeit auseinandersetzen.

Daher war es uns ein wichtiges Anliegen im Rahmen dieses Projektes, ein Bewusstsein über die Komplexität des NOK zu entwickeln und unterschiedliche Standpunkte innerhalb dieser Debatte in beiden Ländern kennenzulernen, um darüber eine eigene Haltung zu entwickeln und diese in die pädagogische Arbeit mit vom Konflikt betroffenen Menschen einzubringen. Die erfolgreiche Zusammenarbeit in diesem Projekt ermutigt uns zur weiteren Kooperation.

Nachfolgend einige Impressionen von dem Projekt…